Wissen · Regeln
Icing im Eishockey (unerlaubter Weitschuss)
Icing liegt vor, wenn eine Mannschaft in gleicher Spielerzahl oder in Überzahl den Puck aus der eigenen Hälfte über die gegnerische Torlinie schießt und ein Verteidiger als Erster am Puck wäre. Dann pfeift der Linienrichter ab. Das folgende Bully findet im Verteidigungsdrittel der Mannschaft statt, die den Puck weggeschossen hat, und sie darf vorher keine Spieler wechseln.
Was Icing bedeutet
Im deutschen Sprachgebrauch heißt Icing auch unerlaubter Weitschuss. Das aktuelle deutschsprachige Regelbuch der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) verwendet nur noch den Begriff Icing. Geregelt ist es in Regel 81.
Für diese Regel teilt die rote Mittellinie das Eis in zwei Hälften. Schießt, schlägt oder lenkt ein Spieler den Puck aus der eigenen Hälfte über die Torlinie des Gegners, wird das Spiel unterbrochen. Das gilt nur für eine Mannschaft, die gleich viele oder mehr Spieler auf dem Eis hat als der Gegner. Bei abgefälschten Pucks zählt es nur, wenn die Mannschaft den Puck ursprünglich selbst nach vorn gespielt hat.
Maßgeblich ist der Ort der letzten Berührung durch die Mannschaft in Puckbesitz. Wer ein Icing vermeiden will, muss die Mittellinie „erreichen“: Der Puck muss am Schläger die rote Linie berühren. Mit dem Schlittschuh zählt das nicht.
Wann der Linienrichter pfeift
Icing ist Sache der Linienrichter. Die Hauptschiedsrichter unterbrechen das Spiel nicht wegen Icing (Regel 31.4). Der Linienrichter trifft zwei Entscheidungen. Erst prüft er, ob der Puck die Torlinie überqueren wird. Dann bestimmt er, welcher Spieler den Puck zuerst berühren würde: ein Angreifer oder ein Verteidiger.
Diese Entscheidung fällt spätestens in dem Moment, in dem der erste Spieler die Anspielpunkte im Verteidigungsdrittel erreicht. Maßgeblich ist sein Schlittschuh. Es kommt aber nicht darauf an, wer zuerst auf Höhe der Punkte ist, sondern wer zuerst am Puck wäre. Ist das Rennen bis dahin zu knapp, gibt der Linienrichter Icing. Läuft der Puck hinter dem Tor herum und zurück Richtung Anspielpunkte, entscheidet er in ähnlichem Abstand.
Diese Lösung wird häufig Hybrid-Icing genannt. Das Regelbuch verwendet den Begriff nicht, es spricht vom „Rennen um den Puck“. Gibt es kein Rennen, wird Icing erst gepfiffen, wenn ein Verteidiger seine blaue Linie überquert hat und der Puck über die Torlinie gerutscht ist, und zwar außerhalb des Tores.
Die Zeichen sind fest geregelt. Der hintere Linienrichter zeigt ein mögliches Icing an, indem er einen Arm über den Kopf streckt. Er hält ihn oben, bis der vordere Linienrichter pfeift oder das Icing aufgehoben ist. Ist es gegeben, kreuzt der hintere Linienrichter die Arme vor der Brust und zeigt auf den Anspielpunkt.
Wann kein Icing gegeben wird
Regel 81 nennt eine Reihe von Fällen, in denen das Spiel trotz eines weiten Schusses weiterläuft:
- Der Gegner hätte spielen können. Kann ein Feldspieler der verteidigenden Mannschaft den Puck vor der Torlinie spielen und tut es nicht, gibt es kein Icing. Das gilt auch, wenn er nur deshalb verzichtet, weil gerade gewechselt wird und sonst zu viele Spieler auf dem Eis wären.
- Der Gegner hat den Puck berührt. Trifft der Puck vor oder nach der Torlinie irgendeinen Teil eines gegnerischen Spielers oder des gegnerischen Torhüters, einschließlich Schläger und Schlittschuhe, ist es kein Icing.
- Abfälschung vor der Mittellinie. Wird der Puck mehrfach abgefälscht, bevor er die Mittellinie überquert, entfällt das Icing, wenn mindestens eine Ablenkung von einem Gegner kam.
- Der Torhüter greift ein. Täuscht er an, den Puck zu spielen, versucht er es oder fährt er in Richtung Puck, wird das Icing aufgehoben (Regel 81.3). Gleiches gilt, wenn er den Puck hinter dem Tor vom Netz löst.
- Direkt aus dem Bully. Geht der Puck direkt vom Schläger eines der beiden Bullyspieler über die gegnerische Torlinie, ist das kein Verstoß.
Für den Torhüter gibt es zwei Einschränkungen. Verlässt er den Torraum nur, um zur Bank zu fahren und einem zusätzlichen Feldspieler Platz zu machen, bleibt das Icing bestehen. Ebenso, wenn er vor dem Schuss außerhalb des Torraums stand und sich nur zurückzieht, ohne zum Puck zu gehen. Prallt der Puck an einem Schiedsrichter ab, hebt das ein Icing nicht automatisch auf.
Icing in Unterzahl
Eine Mannschaft, die nach einer Strafe weniger Spieler auf dem Eis hat, darf den Puck aus der eigenen Hälfte über die gegnerische Torlinie schießen. Der Linienrichter lässt weiterspielen (Regel 81.6). Für das Team im Powerplay heißt das: Es muss den Puck erst wieder aus der eigenen Zone holen.
Läuft die Strafe gerade ab, zählt der genaue Moment. Verlässt der Puck den Schläger vor dem Ende der Strafe, gibt es kein Icing. Bleibt der bestrafte Spieler danach noch auf der Strafbank sitzen, ändert das an der Entscheidung nichts.
Die Folgen: Bully und kein Wechsel
Nach einem Icing wird im Verteidigungsdrittel der Mannschaft angespielt, die den Puck weggeschossen hat. Die andere Mannschaft wählt, an welchem der beiden Anspielpunkte das Bully stattfindet (Regel 81.2). Hat der Linienrichter Icing gegeben, obwohl keines vorlag, wird am Mittelpunkt angespielt.
Die schwerere Folge ist das Wechselverbot (Regel 81.4). Die Spieler, die den Puck befreit haben, müssen auf dem Eis bleiben. Wechseln darf die Mannschaft nur, um den Torhüter zurückzuholen, der zuvor für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis gegangen war, um einen verletzten Spieler oder einen Spieler mit gebrochenem Schlittschuh zu ersetzen oder wenn eine Strafe die Spielerzahl verändert. Wer auf dem Eis steht, wird in dem Moment festgestellt, in dem der Puck den Schläger verlässt. Eine Auszeit bekommt die verteidigende Mannschaft nach einem Icing ebenfalls nicht (Regel 87.1).
Beim folgenden Bully sind die Linienrichter etwas nachsichtiger. Der erste Bully-Verstoß einer Mannschaft führt nach einem Icing nicht dazu, dass ihr Center ausgetauscht wird. Er wird verwarnt. Jeder weitere Verstoß dieser Mannschaft bringt eine kleine Bankstrafe wegen Spielverzögerung (Regel 76.4).
Verzichtet die verteidigende Mannschaft absichtlich darauf, den Puck zu spielen, obwohl sie es könnte, unterbricht der Schiedsrichter. Das Bully findet dann am Anspielpunkt nahe dem Tor dieser Mannschaft statt.
Quellen: IIHF Official Rulebook 2026/27 (Regeln 31, 76, 81, 87 und Anhang Schiedsrichterzeichen) und die deutschsprachige Fassung IIHF Offizielles Regelbuch 2026/27. Nach diesen Regeln spielt auch der Deutsche Eishockey-Bund. Bei abweichender Übersetzung gilt der englische Text.
Weiter: Abseits im Eishockey · Bully (Anspiel) · Powerplay · Verlängerung und Penaltyschießen
Häufige Fragen
Was ist Icing im Eishockey?
Icing, auf Deutsch auch unerlaubter Weitschuss, liegt vor, wenn eine Mannschaft in gleicher Spielerzahl oder in Überzahl den Puck aus der eigenen Hälfte über die gegnerische Torlinie schießt und ein Verteidiger als Erster am Puck wäre. Der Linienrichter unterbricht dann das Spiel (IIHF-Regel 81.1).
Gilt Icing in Unterzahl?
Nein. Schießt ein Spieler einer Mannschaft, die weniger Spieler auf dem Eis hat als der Gegner, den Puck über die Torlinie, läuft das Spiel weiter (Regel 81.6). Entscheidend ist bei einer ablaufenden Strafe der Moment, in dem der Puck den Schläger verlässt.
Was ist Hybrid-Icing?
So nennt man die Variante, bei der der Linienrichter nicht auf die Berührung des Pucks wartet. Er entscheidet spätestens, wenn der erste Spieler die Anspielpunkte im Verteidigungsdrittel erreicht, wer zuerst am Puck wäre. Ist es zu knapp, gibt er Icing. Das IIHF-Regelbuch beschreibt dieses Verfahren in Regel 81.1, verwendet den Begriff Hybrid-Icing aber nicht.
Darf eine Mannschaft nach einem Icing wechseln?
Die Mannschaft, die den Puck weggeschossen hat, nicht. Ausnahmen gelten nur für den Torhüter, der zuvor für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis gegangen war, für verletzte Spieler, für einen Spieler mit gebrochenem Schlittschuh und wenn eine Strafe die Spielerzahl verändert (Regel 81.4).
Wo findet das Bully nach einem Icing statt?
An einem der beiden Anspielpunkte im Verteidigungsdrittel der Mannschaft, die das Icing verursacht hat. Welchen der beiden Punkte, entscheidet die andere Mannschaft (Regel 81.2).
Wird Icing gepfiffen, wenn der Torhüter zum Puck fährt?
Nein. Täuscht der Torhüter an, den Puck zu spielen, versucht er es oder fährt er in Richtung Puck, wird das Icing aufgehoben (Regel 81.3). Fährt er dagegen nur zur Bank, um einem zusätzlichen Feldspieler Platz zu machen, bleibt es beim Icing.