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Bully (Anspiel) im Eishockey
Beim Bully wirft ein Schiedsrichter den Puck zwischen die Schläger zweier gegnerischer Spieler, um das Spiel zu beginnen oder fortzusetzen. Es findet immer an einem von neun festen Anspielpunkten statt. Welcher das ist, hängt davon ab, warum das Spiel unterbrochen wurde.
Was ein Bully ist
Im Regelbuch der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) und in der deutschsprachigen Fassung heißt das Bully „Anspiel“. Regel 76.1 beschreibt es so: Ein Schiedsrichter wirft den Puck zwischen die Schläger zweier gegnerischer Spieler, um das Spiel zu starten oder wieder aufzunehmen. Das Anspiel beginnt, sobald der Schiedsrichter den Ort anzeigt und alle ihre Positionen einnehmen. Es endet, wenn der Puck korrekt eingeworfen ist.
Mit einem Bully beginnt jedes Spiel und jedes Drittel, und zwar in der Spielfeldmitte (Regel 86.1). Auch nach jeder Unterbrechung geht es mit einem Bully weiter. Die Spielzeit läuft ab dem Moment, in dem der Puck eingeworfen ist. Einen Anpfiff gibt es nicht (Regel 76.9).
Die neun Anspielpunkte
Jedes Bully muss an einem der neun Anspielpunkte stattfinden (Regel 76.2). Kein Bully darf näher als 4,50 Meter am Tor oder an der seitlichen Bande ausgeführt werden. Regel 1.9 legt die Markierungen fest:
| Punkt | Anzahl | Markierung |
|---|---|---|
| Mittelpunkt | 1 | blauer Punkt, 30 cm Durchmesser, blauer Kreis mit 4,50 m Radius |
| Neutrale Zone | 4 | rote Punkte, 60 cm Durchmesser, 1,50 m vor jeder blauen Linie, 14 m auseinander, ohne Kreis |
| Enddrittel | 4 | rote Punkte, 60 cm Durchmesser, mit rotem Kreis von 4,50 m Radius |
Die roten Punkte haben eine weiße Fläche, in die der Schläger beim Bully gehört. An den Kreisen der Enddrittel markieren kurze Striche am Kreisrand und Begrenzungslinien neben dem Punkt, wo die Spieler stehen dürfen.
Wer das Bully ausführt
Zu Beginn jedes Drittels der regulären Spielzeit wirft einer der Hauptschiedsrichter den Puck ein. Alle anderen Bullys führen die Linienrichter aus (Regel 31.3 und 32.2).
Auf dem Eis stehen sich zwei Feldspieler gegenüber, meist die Center. Ein Torhüter darf nicht am Bully teilnehmen. Nimmt ein Spieler nicht sofort die richtige Position ein, kann der Schiedsrichter ihn durch einen Mitspieler ersetzen lassen, der gerade auf dem Eis steht.
Der Ablauf
Vor jedem Bully kommt der Spielerwechsel. Die Gastmannschaft hat bis zu fünf Sekunden, danach die Heimmannschaft bis zu acht Sekunden (Regel 82.2). Die Heimmannschaft wechselt also zuletzt. Senkt der Schiedsrichter die Hand, pfeift der Linienrichter. Ab dann haben beide Teams höchstens fünf Sekunden, um sich aufzustellen (Regel 76.3). In den letzten zwei Minuten der regulären Spielzeit und in der Verlängerung gilt diese Frist nicht.
Die beiden Bullyspieler stehen sich etwa eine Schlägerlänge entfernt gegenüber, frontal zum gegnerischen Ende des Spielfelds. Das Schlägerblatt liegt auf dem Eis, im weißen Bereich des Punktes. An den acht Punkten außerhalb der Mitte legt zuerst der Verteidiger den Schläger ab, dann der Angreifer. Am Mittelpunkt beginnt der Spieler der Gastmannschaft (Regel 76.4).
Alle anderen Spieler halten mindestens 4,50 Meter Abstand und dürfen nicht in den Kreis. Alle müssen auf ihrer Seite stehen, also nicht im Abseits. Die Feldspieler der angreifenden Mannschaft stellen sich zuerst auf, danach darf die verteidigende Mannschaft reagieren (Regel 76.6). Bis ein dritter Spieler den Puck berührt hat, dürfen die beiden Bullyspieler ihn nicht mit der Hand spielen (Regel 76.5).
Gewechselt werden darf erst wieder, wenn das Bully ausgeführt ist und das Spiel läuft. Ausnahme: Eine Strafe verändert die Spielerzahl (Regel 76.8).
Verstöße und Strafen
Als Bully-Verstoß gilt nach Regel 76.7 unter anderem:
- Ein anderer Spieler als der Center betritt vor dem Einwurf den Kreis. Mit dem Schlittschuh die Linie zu berühren ist erlaubt.
- Ein Spieler fährt vor dem Einwurf in den Bereich zwischen den Strichen am Kreisrand.
- Ein Spieler berührt vor dem Einwurf einen Gegner, auch Helm gegen Helm.
- Ein Center steht nicht korrekt an den Begrenzungslinien oder legt den Schläger nicht in den weißen Bereich.
- Ein Center bewegt sich zu früh.
Bei einem Verstoß schickt der Linienrichter den Center der fehlbaren Mannschaft weg, ein Mitspieler übernimmt. Feststellen kann einen Verstoß jeder der vier Unparteiischen auf dem Eis. Hat dieselbe Mannschaft beim selben Bully zwei Verstöße begangen, gibt es eine kleine Bankstrafe wegen Spielverzögerung. Für Körperkontakt beim Bully kann der Schiedsrichter zusätzlich eine kleine Strafe gegen den Spieler verhängen. An den vier Punkten der neutralen Zone fehlen Kreise und Striche, dort entscheiden die Linienrichter nach Augenmaß.
Nach einem Icing gilt eine mildere Regel: Der erste Verstoß einer Mannschaft führt nur zu einer Verwarnung, der Center bleibt. Jeder weitere Verstoß dieser Mannschaft bringt die kleine Bankstrafe (Regel 76.4).
Wo nach welcher Unterbrechung angespielt wird
| Anlass | Anspielort | Regel |
|---|---|---|
| Spielbeginn, Beginn eines Drittels | Mittelpunkt | 86.1 |
| Tor | Mittelpunkt | 37.2, 38.3 |
| Icing | Verteidigungsdrittel des Teams, das den Puck weggeschossen hat; der Gegner wählt die Seite | 81.2 |
| Abseits, Puck über die Linie getragen | neutrale Zone, Punkt vor der blauen Linie | 83.6 |
| Abseits, Puck geschossen oder gepasst | Zone, aus der Schuss oder Pass kam | 83.6 |
| Absichtliches Abseits | Verteidigungsdrittel des fehlbaren Teams | 83.6 |
| Strafe | Verteidigungsdrittel des bestraften Teams; das Team in Überzahl wählt die Seite | 76.2 |
| Unterbrechung in der neutralen Zone ohne Verursacher | nächster Punkt der neutralen Zone vor der blauen Linie | 76.2 |
Bei Strafen gibt es Ausnahmen. Wird die Strafe nach einem Tor oder am Ende oder Beginn eines Drittels verhängt, wird am Mittelpunkt angespielt. Fahren nach einer Unterbrechung bei einem Gedränge oder einer Rangelei die Verteidiger der angreifenden Mannschaft oder Spieler von deren Bank über den Außenrand der Bullykreise ins Drittel, zieht das Bully in die neutrale Zone um. Das gilt nach Regel 76.2 auch, wenn nach einem Icing, einem absichtlichen Abseits oder einer Strafe im Drittel der fehlbaren Mannschaft angespielt werden sollte. Wie sich ein Powerplay nach einer Strafe entwickelt, erklären wir gesondert.
Ist unklar, welcher der vier Punkte in der neutralen Zone der nächste ist, wird dort angespielt, wo die Heimmannschaft den größten Raumvorteil hat. Stoppt das Spiel zwischen den Anspielpunkten eines Enddrittels und der Stirnbande, wird am Anspielpunkt auf der Seite der Unterbrechung angespielt.
Quellen: IIHF Official Rulebook 2026/27 (Regeln 1, 31, 32, 37, 38, 76, 81, 82, 83 und 86) und die deutschsprachige Fassung IIHF Offizielles Regelbuch 2026/27. Nach diesen Regeln spielt auch der Deutsche Eishockey-Bund. Bei abweichender Übersetzung gilt der englische Text.
Weiter: Icing · Abseits · Powerplay · Wie groß ist ein Eishockeytor?
Häufige Fragen
Was ist ein Bully im Eishockey?
Das Bully, im Regelbuch Anspiel genannt, startet oder setzt das Spiel fort: Ein Schiedsrichter wirft den Puck zwischen die Schläger zweier gegnerischer Spieler (IIHF-Regel 76.1). Es findet immer an einem der neun Anspielpunkte statt.
Wie viele Bullypunkte gibt es?
Neun: einen blauen Punkt in der Spielfeldmitte, vier rote Punkte in der neutralen Zone und vier rote Punkte mit Kreisen in den beiden Enddritteln (Regel 1.9 und 76.2).
Darf der Torhüter ein Bully ausführen?
Nein. Ein Torhüter darf nicht am Anspiel teilnehmen (Regel 76.1). Das Bully führen zwei Feldspieler aus, in der Regel die Center.
Wer legt beim Bully den Schläger zuerst aufs Eis?
An den acht Punkten außerhalb der Mitte zuerst der Spieler der verteidigenden Mannschaft, dann der Angreifer. Am Mittelpunkt legt der Spieler der Gastmannschaft den Schläger zuerst ab (Regel 76.4).
Was passiert bei zwei Bully-Verstößen?
Begeht dieselbe Mannschaft beim selben Bully zwei Verstöße, erhält sie eine kleine Bankstrafe wegen Spielverzögerung (Regel 76.7). Beim ersten Verstoß wird in der Regel nur der Center ausgetauscht.
Wo wird nach einem Tor angespielt?
In der Spielfeldmitte. Das IIHF-Regelbuch spricht in den Regeln zum Videobeweis und zur Trainer-Challenge ausdrücklich vom Anspiel am Mittelpunkt nach einem Tor (Regel 37.2 und 38.3).