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PeineHockey

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Wissen · Regeln

Abseits im Eishockey

Ein Spieler steht im Abseits, wenn er vor dem Puck in die Angriffszone fährt, also mit beiden Schlittschuhen ganz über der blauen Linie ist, bevor der Puck sie vollständig überquert hat. Der Linienrichter unterbricht dann das Spiel. Können die Verteidiger den Puck ungestört herausspielen, wartet er zunächst ab: Das ist das verzögerte Abseits.

Die Grundregel an der blauen Linie

Zwei blaue Linien teilen das Eis in drei Zonen: das Verteidigungsdrittel, die neutrale Zone und das Angriffsdrittel. Die Linien sind 30 Zentimeter breit und reichen über die ganze Eisfläche (IIHF-Regel 1.5). Für das Abseits zählt nur die blaue Linie vor dem Angriffsdrittel. Die rote Mittellinie spielt dabei keine Rolle, sie ist für das Icing maßgeblich.

Regel 83.1 bringt es auf einen Satz: Spieler der angreifenden Mannschaft dürfen nicht vor dem Puck in die Angriffszone fahren. Die Frage nach dem Abseits stellt sich erst in dem Moment, in dem der Puck die Vorderkante der blauen Linie vollständig überquert hat. Genau dann wird entschieden, wo die Angreifer stehen.

Für den Spieler mit dem Puck gilt eine Ausnahme. Er darf die Linie vor der Scheibe überqueren, wenn er den Puck mit dem Schläger kontrolliert, bevor seine beiden Schlittschuhe ganz über der Vorderkante sind. Und spielt eine Mannschaft den Puck selbst zurück in ihre eigene Verteidigungszone, während dort noch ein Gegner steht, wird das Abseits ignoriert.

Skizze: Zonen des Spielfelds und Stellung der Schlittschuhe an der blauen Linie Verteidigungsdrittel neutrale Zone Angriffsdrittel Spielrichtung des angreifenden Teams → Vorderkante kein Abseits eine Kufe berührt die Linie Abseits beide Kufen ganz darüber
Schematische Skizze, nicht maßstabsgetreu. Unten: Ausschnitt der blauen Linie vor dem Angriffsdrittel, Stand der Kufen in dem Moment, in dem der Puck die Linie vollständig überquert.

Schlittschuh, nicht Schläger

Entscheidend ist immer die Position der Schlittschuhe, nie die des Schlägers. Als Schlittschuh gilt dabei nur die Kufe. Ein Spieler ist im Abseits, wenn beide Kufen vollständig über der Vorderkante der blauen Linie sind. Er ist nicht im Abseits, wenn eine Kufe die Linie berührt oder noch auf seiner Seite steht.

Das Regelbuch denkt dabei dreidimensional. Die „eigene Seite“ der Linie ist durch eine Ebene festgelegt, die von der Vorderkante der blauen Linie senkrecht nach oben geht. Ein Schlittschuh, der in der Luft schwebt, aber diese Ebene noch nicht durchstoßen hat, gilt als auf der eigenen Seite. Ein angehobener Fuß hinter der Linie macht einen Spieler also nicht zum Abseitsspieler.

Abgefälschte Pucks behandelt Regel 83.2. Lenkt ein Angreifer den Puck außerhalb der blauen Linie in die Angriffszone, gilt das als Abseits oder verzögertes Abseits, egal wer den Puck zuvor gespielt hat. Prallt der Puck dagegen ohne Zutun der Angreifer von einem Verteidiger in der neutralen Zone zurück ins Drittel, dürfen alle Angreifer ihn spielen.

Verzögertes Abseits und Zurückkehren

Nicht jedes Abseits wird sofort abgepfiffen. Steht ein Angreifer vor dem Puck in der Zone, können die Verteidiger den Puck aber ohne Verzögerung und ohne Kontakt herausspielen, hebt der Linienrichter den Arm ohne Pfeife. Das Spiel läuft weiter (Regel 83.3).

Der Linienrichter senkt den Arm und hebt das Abseits auf, wenn eine von zwei Bedingungen erfüllt ist:

  1. Alle Angreifer verlassen die Zone gleichzeitig. Dafür reicht Kontakt des Schlittschuhs mit der blauen Linie. Die dreidimensionale Betrachtung gilt hier ausdrücklich nicht. Danach dürfen die Angreifer wieder in die Zone fahren. Im Sprachgebrauch heißt dieses Zurückkehren an die Linie auch Tag-up.
  2. Die verteidigende Mannschaft bringt den Puck in die neutrale Zone, durch Pass oder indem sie ihn hinausträgt.

Der Linienrichter pfeift dagegen sofort, wenn ein Angreifer während des verzögerten Abseits den Puck berührt, versucht, an einen freien Puck zu kommen, den Puckführenden weiter in dessen Zone zurückdrängt oder kurz vor einem Körperkontakt mit ihm steht. Fährt ein Angreifer zum Wechseln an die Bank, gilt er als aus der Zone, sobald beide Schlittschuhe das Eis verlassen haben. Sein Ersatzmann muss die Zone ebenfalls erst verlassen, wenn er dort aufs Eis kommt.

Tore nach Abseits

Schießt ein Angreifer den Puck so in die Zone, dass ein verzögertes Abseits entsteht, und landet genau dieser Schuss im Tor, wird das Tor nicht gegeben (Regel 83.4). Das gilt auch, wenn der Puck vorher vom Torhüter, der Bande, dem Schutzglas oder einem Schiedsrichter abprallt, und auch dann, wenn die Angreifer die Zone inzwischen verlassen hatten. Ein Tor ist im verzögerten Abseits nur möglich, wenn die verteidigende Mannschaft den Puck ohne Zutun der Angreifer selbst ins eigene Tor befördert.

Nachträglich wird ein Tor wegen Abseits sonst nicht aberkannt. Ausnahmen sind die menschlich bedingte Verzögerung beim Pfiff und die Trainer-Challenge nach Regel 38. Dort kann die verteidigende Mannschaft prüfen lassen, ob einem Tor ein Abseits vorausging. Das gilt nur, wenn der Puck zwischen dem Abseits und dem Tor die Angriffszone nicht wieder verlassen hat.

Absichtliches Abseits

Das IIHF-Regelbuch kennt auch das absichtliche Abseits (Regel 83.7). Es liegt vor, wenn ein Abseits gespielt wird, um eine Unterbrechung zu erzwingen, egal aus welchem Grund und egal, ob eine Mannschaft in Unterzahl ist. Typischer Fall: Ein Angreifer berührt während eines verzögerten Abseits absichtlich den Puck, damit gepfiffen wird.

Bemühen sich die Angreifer erkennbar, die Zone zu verlassen, und sind sie nahe an der blauen Linie, als der Puck in die Zone geschossen wird, gibt der Linienrichter kein absichtliches Abseits.

Wo das Bully folgt

Nach einem Abseits richtet sich der Ort des Bullys nach der Entstehung (Regel 83.6):

SituationAnspielpunkt
Puck über die blaue Linie getragenneutrale Zone, Anspielpunkt vor der blauen Linie
Puck in die Zone geschossen oder gepasstnächster Punkt in der Zone, aus der Schuss oder Pass kam, mit dem geringsten Raumvorteil für die fehlbare Mannschaft
Verteidiger im verzögerten Abseits bedrängtwie beim Schuss: Zone, aus der Pass oder Schuss kam
Absichtliches AbseitsVerteidigungsdrittel der fehlbaren Mannschaft

Zwei Sonderfälle: Schießt ein Verteidiger während eines verzögerten Abseits den Puck über das Schutzglas aus dem Spielfeld, erhält er eine kleine Strafe, und das Bully findet in seinem Verteidigungsdrittel statt. Steht gleichzeitig eine Strafe gegen die verteidigende Mannschaft an, wird ebenfalls in deren Verteidigungsdrittel angespielt.

Quellen: IIHF Official Rulebook 2026/27 (Regeln 1, 31, 38 und 83) und die deutschsprachige Fassung IIHF Offizielles Regelbuch 2026/27. Nach diesen Regeln spielt auch der Deutsche Eishockey-Bund. Bei abweichender Übersetzung gilt der englische Text.

Weiter: Icing · Bully (Anspiel) · Powerplay · Wie groß ist ein Eishockeytor?

Häufige Fragen

Wann ist ein Spieler im Eishockey im Abseits?

Wenn er vor dem Puck in die Angriffszone fährt. Abseits ist er, sobald beide Schlittschuhe vollständig über der Vorderkante der blauen Linie sind, bevor der Puck die Linie komplett überquert hat (IIHF-Regel 83.1).

Zählt beim Abseits der Schläger?

Nein. Entscheidend ist allein die Position der Schlittschuhe, genauer der Kufen. Berührt eine Kufe noch die blaue Linie oder steht sie auf der eigenen Seite, ist der Spieler nicht im Abseits.

Was ist ein verzögertes Abseits?

Ein Angreifer ist vor dem Puck in die Zone gefahren, aber die Verteidiger können den Puck ohne Bedrängnis herausspielen. Der Linienrichter hebt den Arm und lässt weiterspielen. Verlassen alle Angreifer gleichzeitig die Zone oder bringt die verteidigende Mannschaft den Puck in die neutrale Zone, senkt er den Arm und das Abseits ist aufgehoben (Regel 83.3).

Kann bei verzögertem Abseits ein Tor fallen?

Nur, wenn die verteidigende Mannschaft den Puck selbst ins eigene Tor befördert, ohne dass ein Angreifer beteiligt ist. Geht ein Schuss, der das verzögerte Abseits ausgelöst hat, ins Tor, wird das Tor nicht gegeben (Regel 83.4).

Was ist ein absichtliches Abseits?

Ein Abseits, das gespielt wird, um eine Unterbrechung zu erzwingen. Berührt ein Angreifer während eines verzögerten Abseits absichtlich den Puck, um einen Pfiff zu bekommen, gibt der Linienrichter absichtliches Abseits. Das Bully findet dann im Verteidigungsdrittel der Mannschaft statt, die das Abseits verursacht hat (Regel 83.6 und 83.7).