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Wissen · Regeln

Strafen im Eishockey

Für eine Kleine Strafe muss ein Spieler zwei Minuten auf die Strafbank, für eine Große Strafe fünf und für eine Disziplinarstrafe zehn Minuten. Bei den ersten beiden spielt sein Team in Unterzahl, bei der Disziplinarstrafe nicht. Grundlage ist das offizielle Regelbuch der IIHF, das der Deutsche Eishockey-Bund übernimmt.

Die Strafarten auf einen Blick

StrafeDauerUnterzahl?Endet bei Gegentor?Regel
Kleine Strafe2 Min.jaja16
Kleine Bankstrafe2 Min.jaja17
Doppelte Kleine Strafe2 + 2 Min.janur der laufende Teil18
Große Strafe5 Min.janein20
Große Strafe + Spieldauerdisziplinarstrafe5 Min. Unterzahl, Spieler bleibt draußenjanein20.4
Disziplinarstrafe10 Min.nein, sofortiger Ersatz–22
SpieldauerdisziplinarstrafeRest des Spielsnein, Ersatz erlaubt–23
Penaltyschusskeine Zeitstrafe––24

Eine eigene Matchstrafe führt das englische Original des aktuellen Regelbuchs nicht als Strafart. Die härteste Sanktion im Spiel ist die Große Strafe mit automatischer Spieldauerdisziplinarstrafe.

Kleine Strafe und Kleine Bankstrafe

Bei einer Kleinen Strafe muss der Spieler zwei Minuten vom Eis, ein Ersatz ist nicht erlaubt (Regel 16.1). Sein Team spielt so lange mit einem Feldspieler weniger. Mehr dazu im Text zum Powerplay.

Die Kleine Bankstrafe trifft das Team als Ganzes, etwa für zu viele Spieler auf dem Eis oder eine Spielverzögerung von der Bank. Der Trainer bestimmt über den Kapitän einen Feldspieler, der die zwei Minuten absitzt (Regel 17.1).

Trifft der Gegner, während das Team wegen einer Kleinen Strafe oder Kleinen Bankstrafe in Unterzahl ist, endet die Strafe mit der geringsten Restzeit (Regel 16.2). Ein Tor durch einen Penaltyschuss beendet keine Strafe.

Torhüter gehen für Kleine, Große und Disziplinarstrafen nicht selbst auf die Strafbank. Ein Mitspieler, der beim Pfiff auf dem Eis stand, sitzt für sie ab (Regel 27.1 bis 27.3).

Doppelte Kleine Strafe

Die Doppelte Kleine Strafe dauert vier Minuten, wieder ohne Ersatz (Regel 18.1). Das Regelbuch sieht sie unter anderem für einen hohen Stock vor, der den Gegner verletzt, und für den Versuch eines Stockstichs, Stockendenstoßes oder Kopfstoßes (Anhang IV, Tabelle 4).

Fällt in den ersten zwei Minuten ein Gegentor, endet nur dieser Teil, die zweiten zwei Minuten beginnen sofort. Fällt das Tor im zweiten Teil, kommt der Spieler zurück. Trifft der Gegner schon, während die Strafe angezeigt ist, sitzt der Spieler nur zwei Minuten ab (Regel 18.2).

Große Strafe und Spieldauerdisziplinarstrafe

Eine Große Strafe verhängt der Schiedsrichter, wenn ein Spieler den Gegner bei einem körperlichen Vergehen rücksichtslos gefährdet und eine Kleine Strafe nicht ausreicht (Regel 20.1). Der Spieler sitzt fünf Minuten. Anders als bei der Kleinen Strafe kehrt er bei einem Gegentor nicht zurück (Regel 20.2).

Bei vielen Vergehen gibt es die Große Strafe nur zusammen mit einer automatischen Spieldauerdisziplinarstrafe, etwa bei Check mit dem Stock, Haken, Hohem Stock oder Stockschlag. Bei Bandencheck, Unerlaubtem Körperangriff, Ellbogencheck, Behinderung und Beinstellen kann der Schiedsrichter auch eine Große Strafe allein aussprechen (Anhang IV, Tabelle 5). Wer im selben Spiel eine zweite Große Strafe erhält, bekommt automatisch die Spieldauerdisziplinarstrafe (Regel 20.4).

Bei Großer Strafe plus Spieldauerdisziplinarstrafe ist das Spiel für den Spieler beendet. Nach fünf Minuten darf ein Ersatzspieler für ihn aufs Eis. Jede Spieldauerdisziplinarstrafe wird den zuständigen Stellen gemeldet, die weitere Sperren verhängen können (Regel 23.2).

Disziplinarstrafe

Die Disziplinarstrafe bestraft den Spieler, nicht das Team. Er muss zehn Minuten auf die Strafbank, sein Team darf ihn sofort ersetzen (Regel 22.1). Nach Ablauf bleibt er bis zur nächsten Spielunterbrechung sitzen. Anlässe sind etwa Beschimpfungen von Offiziellen, Schlagen mit dem Stock gegen die Bande aus Protest oder beleidigende Sprache (Anhang IV, Tabelle 7). Eine zweite Disziplinarstrafe im selben Spiel führt automatisch zur Spieldauerdisziplinarstrafe.

Penaltyschuss

Der Penaltyschuss soll eine Torchance zurückgeben, die durch ein Foul verloren ging (Regel 24.1). Er wird verhängt, wenn vier Bedingungen erfüllt sind (Regel 24.8): Das Foul geschieht in der neutralen Zone oder der Angriffszone, es kommt von hinten, es nimmt dem Spieler eine vernünftige Torchance, und zwischen ihm und dem Torhüter steht kein Gegenspieler.

Der Puck liegt am Mittelpunkt, der Schütze läuft allein auf den Torhüter zu. Nachschüsse zählen nicht (Regel 24.2). Wäre das Foul eine Kleine Strafe gewesen, wird sie nach dem Penaltyschuss nicht mehr abgesessen, egal wie er ausgeht (Regel 24.6). Ist der Torhüter vom Eis, gibt es statt des Penaltyschusses ein zugesprochenes Tor. Das erklärt unser Text zum Empty Net. Mit dem Penaltyschießen nach der Verlängerung hat er nichts zu tun.

Die angezeigte Strafe

Begeht ein Spieler des Teams ohne Puck ein Foul, hebt der Schiedsrichter den Arm und lässt weiterspielen. Erst wenn das foulende Team den Puck kontrolliert, pfeift er ab und verhängt die Strafe (Regel 15.1). Der DEB nennt das „angezeigte Strafe“. Seit der Saison 2026/27 wird sie nur noch im laufenden Spiel signalisiert, nicht mehr während einer Unterbrechung.

Trifft das gefoulte Team, solange der Arm oben ist, entfällt eine angezeigte Kleine Strafe. Große Strafen werden trotzdem verhängt (Regel 15.2). Das foulende Team selbst kann in dieser Phase kein Tor erzielen. Einzige Ausnahme: Die andere Mannschaft befördert den Puck selbst ins eigene Tor (Regel 78.5). Deshalb nehmen viele Teams in dieser Phase den Torhüter für einen sechsten Feldspieler vom Eis.

Zusammenfallende Strafen

Werden in derselben Unterbrechung gegen beide Teams gleichwertige Strafen ausgesprochen, heben sie sich auf. Die bestraften Spieler gehen auf die Strafbank, ihre Teams dürfen sie sofort ersetzen (Regel 19.1). Beide Mannschaften spielen also in voller Stärke weiter (Anhang IV, Tabelle 13). Die Bestraften kommen erst bei der ersten Unterbrechung nach Ablauf ihrer Zeit zurück. Bleibt ein Überhang, etwa zwei Kleine Strafen gegen eine, wird nur dieser Unterschied gegen das eine Team gewertet.

In den letzten fünf Minuten und in der Verlängerung gilt eine Sonderregel: Bekommt ein Team eine Kleine und das andere eine Große Strafe, werden die drei Minuten Differenz sofort wie eine Große Strafe abgesessen (Regel 19.3).

Typische Vergehen und ihre deutschen Namen

Die Namen stammen aus der deutschen Ausgabe des Regelbuchs, die der DEB veröffentlicht. Im Regelfall gibt es dafür eine Kleine Strafe, für zu viele Spieler auf dem Eis eine Kleine Bankstrafe.

DeutschEnglischWas gemeint istRegel
BeinstellenTrippingStock oder Körper bringt den Gegner zu Fall57
HakenHookingden Gegner mit dem Stock zurückhalten55
HaltenHoldingGegner mit Händen, Armen oder Beinen festhalten54
Hoher StockHigh-stickingStockkontakt über den Schultern des Gegners60
BehinderungInterferenceeinen Gegner ohne Puck am Laufen oder Passempfang hindern56
Check mit dem StockCross-checkingStoß mit dem Stockschaft zwischen beiden Händen59
StockschlagSlashingmit dem Stock nach dem Gegner schlagen61
BandencheckBoardingwehrlosen Gegner heftig gegen die Bande checken41
Unerlaubter KörperangriffChargingAnlauf oder Sprung in den Gegner42
EllbogencheckElbowingGegner mit ausgefahrenem Ellbogen treffen45
SpielverzögerungDelay of Gamedas Spiel absichtlich unterbrechen63
Zu viele Spieler auf dem EisToo many playersfehlerhafter Wechsel, ein Spieler zu viel74

Seit der Saison 2026/27 gilt ein Stockkontakt über den Schultern nur dann als hoher Stock, wenn die Schultern des Gegners mindestens auf Taillenhöhe sind, er also nicht tief gebückt ist (Regel 60.1).

Quellen: IIHF Official Rulebook 2026/27 · IIHF offizielles Regelbuch 2026/27, deutsche Version V1.3 (DEB) · DEB: Das ändert sich im Regelwerk zur Saison 2026/2027.

Weiter: Powerplay im Eishockey · Empty Net im Eishockey · Verlängerung und Penaltyschießen

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Strafe im Eishockey?

Eine Kleine Strafe dauert zwei Minuten, eine Doppelte Kleine Strafe vier, eine Große Strafe fünf und eine Disziplinarstrafe zehn Minuten. Bei einer Spieldauerdisziplinarstrafe ist das Spiel für den Spieler beendet, in der Statistik werden 20 Minuten notiert.

Endet eine Strafe, wenn ein Tor fällt?

Nur eine Kleine Strafe oder Kleine Bankstrafe, und nur dann, wenn das bestrafte Team zu diesem Zeitpunkt tatsächlich in Unterzahl spielt. Es endet die Strafe mit der geringsten Restzeit. Große Strafen werden immer voll abgesessen. Ein Tor durch einen Penaltyschuss beendet keine Strafe.

Was ist eine Spieldauerdisziplinarstrafe?

Der Spieler muss für den Rest des Spiels vom Eis, sein Team darf ihn aber ersetzen. Die zuständigen Stellen können weitere Sperren verhängen. Zusammen mit einer Großen Strafe spielt das Team trotzdem fünf Minuten in Unterzahl.

Wer sitzt die Strafe des Torhüters ab?

Ein Torhüter geht für Kleine, Große oder Disziplinarstrafen nicht selbst auf die Strafbank. Ein Mitspieler, der beim Pfiff auf dem Eis stand, sitzt für ihn ab. Der Trainer bestimmt ihn über den Kapitän.

Was bedeutet der erhobene Arm des Schiedsrichters?

Er zeigt eine Strafe gegen das Team an, das nicht im Puckbesitz ist. Gepfiffen wird erst, wenn dieses Team die Kontrolle über den Puck erlangt. Trifft vorher die andere Mannschaft, entfällt eine angezeigte Kleine Strafe.