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Empty Net im Eishockey
Empty Net heißt leeres Tor: Ein Team nimmt seinen Torhüter vom Eis und spielt dafür mit einem sechsten Feldspieler. Das passiert vor allem in den letzten Minuten, wenn ein Team zurückliegt, und während einer angezeigten Strafe. Trifft der Gegner in das unbewachte Tor, ist das ein Empty-Net-Tor.
Was das Regelbuch erlaubt
Jedes Team darf nur einen Torhüter gleichzeitig auf dem Eis haben. Er darf aber jederzeit gegen einen Feldspieler getauscht werden (Regel 5.3). Dieser Spieler bekommt nicht die Vorrechte eines Torhüters.
Ein Zeitfenster gibt das Regelbuch nicht vor. Regel 84.2 erlaubt den zusätzlichen Feldspieler ausdrücklich auch in der Verlängerung. Wie bei jedem fliegenden Wechsel muss der Torhüter höchstens 1,50 Meter von der eigenen Bank entfernt sein, bevor der Ersatz das Eis betritt. Sonst gibt es eine Kleine Bankstrafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis (Regel 74.1). Als „vom Eis“ gilt der Torhüter, sobald sein Ersatz die Eisfläche betreten hat (Regel 53.8).
Sechs gegen fünf: so sieht es aus
Auf dem Eis stehen damit auf beiden Seiten sechs Spieler. Team A hat aber sechs, die angreifen und Pässe spielen können, Team B nur fünf plus den Torhüter. Im Rücken von Team A wartet dafür ein leeres Tor.
Wann Teams den Torhüter vom Eis nehmen
In der Schlussphase. Liegt ein Team kurz vor Schluss zurück, holt der Trainer häufig den Torhüter zur Bank. Ob das schon nach einer Unterbrechung geschieht oder im laufenden Spiel, entscheidet er selbst. Geht es in die Verlängerung, bleibt der Schritt erlaubt.
Während einer angezeigten Strafe. Foult ein Spieler des Teams ohne Puck, hebt der Schiedsrichter den Arm und pfeift erst, wenn das foulende Team den Puck kontrolliert (Regel 15.1). In dieser Zeit kann das foulende Team kein Tor erzielen (Regel 78.5). Das gefoulte Team kann die Phase nutzen, um den Torhüter durch einen sechsten Feldspieler zu ersetzen. Trifft es, entfällt eine angezeigte Kleine Strafe (Regel 15.2). Wie es danach in Überzahl weitergeht, steht im Text zum Powerplay, die Strafarten erklärt unser Überblick Strafen im Eishockey.
Ein Restrisiko bleibt: Befördert das gefoulte Team den Puck selbst ins eigene leere Tor, zählt der Treffer für den Gegner. Das ist die eine Ausnahme, die Regel 78.5 für diese Phase vorsieht.
Das Empty-Net-Tor
Ein Empty-Net-Tor ist ein Treffer in ein Tor, aus dem der Torhüter für einen zusätzlichen Feldspieler genommen wurde. Das Regelbuch spricht vom „open net“ (Regel 53.8). Für die Wertung gelten dieselben Regeln wie für jedes andere Tor: Der Puck muss vollständig über die Torlinie zwischen den Pfosten (Regel 78.4).
Auch ein Befreiungsschlag aus der eigenen Hälfte zählt, wenn er im leeren Tor landet. Icing setzt voraus, dass der Puck die gegnerische Torlinie neben dem Tor überquert (Regel 81.1). Auf dem Weg zur Bank hebt der Torhüter ein mögliches Icing des Gegners nicht auf, solange er nicht versucht, den Puck zu spielen (Regel 81.3).
Nach einem eigenen Icing darf ein Team vor dem nächsten Anspiel keine Spieler wechseln. Den Torhüter, der für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis ging, darf es aber zurückholen (Regel 81.4).
Zugesprochenes Tor statt Penaltyschuss
Ist der Torhüter vom Eis, ersetzt ein zugesprochenes Tor den Penaltyschuss. Kontrolliert ein Angreifer in der neutralen Zone oder der Angriffszone den Puck (oder hätte ihn erreicht), hat er keinen Gegenspieler mehr zwischen sich und dem Tor und wird gefoult, unterbricht der Schiedsrichter sofort und gibt das Tor (Regel 25.1 und 25.3). Seit der Saison 2026/27 wird ein solches Tor dem gefoulten Spieler gutgeschrieben (Regel 33.2).
Anhang IV, Tabelle 10 des Regelbuchs nennt weitere Fälle, in denen bei leerem Tor ein Treffer zugesprochen wird:
- ein Verteidiger, Trainer oder Betreuer wirft einen Stock oder Gegenstand nach Puck oder Puckführer (Regel 53.8),
- jemand, der nicht regulär auf dem Eis ist, greift ins Spiel ein (Regel 56.7, 70.8),
- die verteidigende Mannschaft verschiebt absichtlich das Tor (Regel 63.7),
- ein Feldspieler fällt im Torraum auf den Puck oder nimmt ihn in die Hand (Regel 67.5).
Auch der Torhüter selbst kann ein Tor verschulden: Lässt er vor dem Gang zur Bank absichtlich Stock oder Ausrüstung am Tor liegen, um Schüsse abzuhalten, wird ein Tor zugesprochen (Regel 67.5).
Steht der Torhüter dagegen noch auf dem Eis, gibt es kein zugesprochenes Tor. Das gilt sogar, wenn der Angreifer ihn schon umspielt hat und vor dem offenen Tor von hinten gefoult wird. Dann entscheidet der Schiedsrichter auf Penaltyschuss (Regel 24.8). War der Torhüter beim Pfiff für einen Penaltyschuss gerade vom Eis, darf er vor dem Schuss zurückkehren (Regel 24.2).
Warum Teams das Risiko eingehen
Ein Team, das zurückliegt, braucht ein Tor. Mit dem sechsten Feldspieler hat es in der Angriffszone eine Anspielstation mehr, der Gegner muss mit fünf Spielern sechs Angreifer decken. Der Preis ist offensichtlich: Jeder Puck, den der Gegner aus der eigenen Zone schlägt, kann im leeren Tor landen.
Bei der angezeigten Strafe sieht die Abwägung anders aus. Der Gegner kann während dieser Phase nicht treffen, der Pfiff kommt, sobald er den Puck kontrolliert. Der zusätzliche Feldspieler ist hier fast ohne Risiko zu haben, solange das eigene Team den Puck nicht selbst ins leere Tor spielt.
Quellen: IIHF Official Rulebook 2026/27 · IIHF offizielles Regelbuch 2026/27, deutsche Version V1.3 (DEB) · DEB: Das ändert sich im Regelwerk zur Saison 2026/2027. Einzelne Ligen können Details in ihren Durchführungsbestimmungen abweichend regeln.
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Häufige Fragen
Was bedeutet Empty Net im Eishockey?
Empty Net heißt leeres Tor. Ein Team nimmt seinen Torhüter vom Eis und bringt dafür einen zusätzlichen Feldspieler. Trifft der Gegner in das unbewachte Tor, spricht man von einem Empty-Net-Tor.
Darf ein Team den Torhüter jederzeit vom Eis nehmen?
Ja. Regel 5.3 erlaubt, den Torhüter durch einen Feldspieler zu ersetzen, Regel 84.2 ausdrücklich auch in der Verlängerung. Der Wechsel muss nur regelkonform ablaufen, sonst droht eine Kleine Bankstrafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis.
Zählt ein Tor ins leere Tor wie ein normales Tor?
Ja. Es gelten dieselben Regeln wie für jedes andere Tor. Auch ein Schuss aus der eigenen Hälfte, der im leeren Tor landet, zählt, denn Icing setzt voraus, dass der Puck die Torlinie neben dem Tor überquert.
Was passiert, wenn ein Spieler vor dem leeren Tor gefoult wird?
Hat er den Puck in der neutralen Zone oder der Angriffszone unter Kontrolle und keinen Gegenspieler mehr vor sich, unterbricht der Schiedsrichter sofort und spricht ein Tor zu. Seit der Saison 2026/27 wird das Tor dem gefoulten Spieler gutgeschrieben.
Warum nimmt ein Team bei einer angezeigten Strafe den Torhüter raus?
Weil das Risiko gering ist. Sobald der Gegner den Puck kontrolliert, pfeift der Schiedsrichter ab. Ein Tor kann der Gegner in dieser Phase nicht erzielen. Gefährlich wird es nur, wenn das eigene Team den Puck ins eigene leere Tor befördert.
Hat der sechste Feldspieler die Rechte eines Torhüters?
Nein. Regel 5.3 legt fest, dass der Spieler, der den Torhüter ersetzt, nicht dessen Vorrechte bekommt.